Wissenswertes für die Steuererklärung 2020

Die wichtigsten Steuerrechtsänderungen und Informationen im Überblick.

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Junges Paar erstellt Steuererklärung am Laptop

Themenübersicht

1.   Corona – Sonderzahlungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

2.   Home-Office-Pauschale und Arbeitszimmer

3.   Pauschale für Berufskraftfahrer

4.   Verpflegungsmehraufwendungen

5.   Bezug von Kurzarbeitergeld

6.   Freibeträge – wichtige Anpassungen

7.   Das besondere Thema: Energetische Gebäudesanierung

8.   Informationen zu den Vordrucken der Einkommensteuererklärung 2020


1. Corona – Sonderzahlungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Zuschüsse und Sachzuwendungen, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aufgrund der Corona-Krise in der Zeit vom 01.03.2020 bis zum 30.06.2021 zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten, sind gem. § 3 Nr. 11a Einkommensteuergesetz (EStG) bis zu einem Betrag von insgesamt 1.500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei (sogenannte Corona-Prämie). Der begünstigte Betrag gilt einmalig pro Dienstverhältnis für den gesamten Zeitraum, eine Aufteilung auf mehrere Zahlungen ist bis zum Erreichen der 1.500 Euro jedoch möglich. Die Corona-Prämie wird in der Regel bereits steuerfrei durch den Arbeitgeber ausgezahlt, sodass bei der jeweiligen Steuererklärung nichts weiter zu beachten ist.
 

2. Home-Office-Pauschale und Arbeitszimmer

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch Selbständige, arbeiten während der Corona-Pandemie im Home-Office, ohne dass sie zu Hause ein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer haben. In der Folge wären dabei entstehende Kosten nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig. Der Gesetzgeber hat das erkannt und eine sogenannte Home-Office-Pauschale eingeführt, die unter folgenden Voraussetzungen steuerlich geltend gemacht werden kann:

  • Ein häusliches Arbeitszimmer im steuerlichen Sinn ist nicht vorhanden oder wird nicht geltend gemacht,
  • die berufliche oder betriebliche Tätigkeit am jeweiligen Tag wird ausschließlich in der heimischen Wohnung erbracht und
  • die erste Tätigkeitstätte/Betriebsstätte wird am jeweiligen Tag nicht aufgesucht.

Für jeden Tag, an dem diese Voraussetzungen vorliegen, kann ein Betrag von 5 Euro, maximal 600 Euro im Kalenderjahr, als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden. Die Regelung gilt ab 01.01.2020 und ist bis zum 31.12.2021 befristet.

Bitte beachten Sie:

Die Homeoffice-Pauschale ist in der "Anlage N" der Einkommensteuererklärung als „weitere Werbungskosten“ (Zeilen 46-48) einzutragen.

Die Home-Office-Pauschale erhöht nicht den Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro. Für Home-Office-Tage können neben der Pauschale keine Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb oder die Entfernungspauschale geltend gemacht werden.

Aufwendungen für Zeitfahrkarten des öffentlichen Personennahverkehrs, die in Erwartung der Benutzung für den Weg zur Arbeit erworben wurden (z.B. Monats- und Jahreskarten), bleiben abzugsfähig.
 

3. Pauschale für Berufskraftfahrer

Ab dem Veranlagungszeitraum 2020 können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (insb. Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer) im Zusammenhang mit Übernachtungen im Fahrzeug eine Pauschale in Höhe von 8 Euro pro Kalendertag als Werbungskosten steuerlich geltend machen (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nr. 5b Einkommensteuergesetz). Die Pauschale soll Gebühren für Sanitäreinrichtungen, Park-/Abstellgebühren und Kosten für die Reinigung der Schlafkabine abgelten.

Die neue Pauschale kann zusätzlich zu den Verpflegungspauschalen in Anspruch genommen werden. Ein Ansatz der tatsächlichen Aufwendungen im Kalenderjahr, sollten diese höher sein als die anzusetzenden Pauschalen, ist möglich (einheitlich im Kalenderjahr). Die neue Regelung gilt für Übernachtungen nach dem 31.12.2019.
 

4. Verpflegungsmehraufwendungen

Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen im Rahmen einer beruflichen Auswärtstätigkeit oder doppelten Haushaltsführung wurden ab dem Veranlagungszeitraum 2020 unter den bisher geltenden Voraussetzungen wie folgt angehoben:

bisher ab 2020
Für jeden Kalendertag, an dem Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer 24 Stunden von Ihrer
Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte abwesend sind
24 € 28 €

Für den An- oder Abreisetag, wenn Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer an diesem, einem
anschließenden oder vorhergehenden Tag außerhalb Ihrer Wohnung übernachtet haben

12 € 14 €

Für jeden Kalendertag, an dem Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer
ohne Übernachtung außerhalb Ihrer Wohnung mehr als 8 Stunden von Ihrer Wohnung
und der ersten Tätigkeitsstätte abwesend waren

12 € 14 €


5. Bezug von Kurzarbeitergeld

In der Corona-Krise haben viele Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2020 Lohnersatzleistungen – wie beispielsweise das Kurzarbeitergeld – bezogen. Weitere Informationen zur steuerlichen Behandlung beim Bezug von Kurzarbeitergeld erhalten Sie unter dem gesonderten Beitrag auf unserer Webseite.
 

6. Freibeträge – wichtige Anpassungen

Übersicht

Monatlich

bis 30.06.2019

Monatlich

ab 01.07.2019

Jahresbetrag

2019

Jahresbetrag

2020

Grundfreibetrag

§ 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG)

--- --- 9.168 € 9.408 €

Kinderfreibetrag

§ 32 Abs. 6 EStG

--- --- 2.490 € 2.586 €

Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf

§ 32 Abs. 6 EStG

1.320 € 1.320 €
Kindergeld
§ 66 Abs. 1 EStG
1. / 2. Kind 194 € 204 € 2.388 € 2.448 €
(2.448 € + 300 € Kinderbonus)
3. Kind 200 € 210 € 2.460 € 2.820 €
(2.520 € + 300 € Kinderbonus)
ab 4. Kind 225 € 235 € 2.760 € 3.120 €
(2.820 € + 300 € Kinderbonus)
Unterhaltshöchstbetrag
§ 33a Abs. 1 Satz 1 EStG
--- --- 9.168 € 9.408 €

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
§ 24b EStG

---

---

1.908 €

4.008 €
(1.908 € zzgl. Erhöhungsbetrag von 2.100 €)

Hinweis: Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erhöht sich auf Antrag für jedes weitere zu berücksichtigende Kind um je 240 Euro. Der Kinderfreibetrag, der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf, das Kindergeld, der Unterhaltshöchstbetrag und der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende werden nur für die Monate im Kalenderjahr gewährt, in denen an mindestens einem Tag des Monats die Voraussetzungen für die Gewährung vorgelegen haben.
Im Jahr 2020 wurde zusätzlich zum Kindergeld ein Kinderbonus in Form einer Einmalzahlung von 300 Euro je Kind ausgezahlt. Die neue Leistung wird wie Kindergeld behandelt.
 

7. Das besondere Thema: Energetische Gebäudesanierung

Der neue § 35c Einkommensteuergesetz (EStG) fördert energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten eigenen Gebäuden mit einem prozentualen Abzug der Aufwendungen von der tariflichen Einkommensteuer auf Antrag.

Begünstigt sind zu eigenen Wohnzwecken genutzte Gebäude, die im Eigentum der steuerpflichtigen Person stehen (auch Eigentumswohnungen), und in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum belegen sind und im Zeitpunkt der Durchführung der energetischen Maßnahme älter als 10 Jahre sind.

Insgesamt werden energetische Maßnahmen mit 20 % der Aufwendungen, höchstens jedoch mit 40.000 Euro gefördert. Der Förderbetrag verteilt sich auf drei Jahre wie folgt:

  • Im Jahr des Abschlusses der energetischen Maßnahme können 7 % der Aufwendungen, höchstens jedoch 14.000 Euro steuerlich geltend gemacht werden.
  • Im darauffolgenden Jahr können ebenfalls 7 % der Aufwendungen, höchstens jedoch 14.000 Euro steuerlich geltend gemacht werden.
  • Im dritten Jahr beträgt der Förderbetrag dann 6 % der Aufwendungen, höchstens jedoch 12.000 Euro.
  • Kosten für die energetische Baubegleitung und Fachplanung durch fachlich qualifizierte Energieberaterinnen und Energieberater werden im Rahmen der Höchstbeträge mit 50 % der dafür aufgewendeten Kosten gefördert und sind nicht auf drei Jahre zu verteilen.

Welche Maßnahmen werden gefördert?

  1. Wärmedämmung von Wänden,
  2. Wärmedämmung von Dachflächen,
  3. Wärmedämmung von Geschossdecken,
  4. Erneuerung der Fenster oder Außentüren,
  5. Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,
  6. Erneuerung der Heizungsanlage,
  7. Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und
  8. die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Die Mindestanforderungen für die energetischen Maßnahmen ergeben sich aus der Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV). Den Link dazu finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Weitere Voraussetzungen:

  • Die jeweilige Maßnahme muss von einem Fachunternehmen ausgeführt werden. Eigenleistungen sind nicht förderungswürdig.
  • Für die Gewährung der Steuerermäßigung ist außerdem erforderlich, dass Sie eine Bescheinigung nach amtlichem Muster erhalten haben, in der bestätigt wird, dass die Voraussetzungen des § 35c Abs. 1 Sätze 1 bis 3 EStG und die Anforderungen an die ESanMV dem Grunde und der Höhe nach erfüllt sind. Diese Bescheinigung stellt Ihnen das ausführende Fachunternehmen oder eine Person mit Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen aus. Die Kosten für die Bescheinigung gehören zu den förderungsfähigen Aufwendungen.
  • Die Steuerermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn das Gebäude im jeweiligen Kalenderjahrausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird. Eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken liegt auch vor, wenn Teile einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung anderen Personen unentgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden.
  • Es muss eine ordnungsgemäße Rechnung in deutscher Sprache vorliegen. Die Zahlung muss unbar auf das Konto des Leistungserbringers erfolgen.

Zeitraum der Förderung

Gefördert werden energetische Maßnahmen, mit deren Durchführung nach dem 31.12.2019 begonnen wurde und die vor dem 01.01.2030 abgeschlossen sind:

  • Ist für die energetische Maßnahme eine Baugenehmigung erforderlich, gilt als Beginn der Maßnahme der Zeitpunkt, in dem der Bauantrag gestellt wurde.
  • Ist lediglich eine Bauanzeige bei der nach Maßgabe des Bauordnungsrechts zuständigen Behörde erforderlich, gilt der Zeitpunkt des Eingangs der Bauanzeige bei der Behörde als Beginn.
  • Für alle anderen energetischen Maßnahmen ist der Beginn der Bauausführung maßgeblich.

Wann besteht kein Anspruch auf die Steuerermäßigung?

  • Soweit die Aufwendungen bereits als Betriebsausgaben, Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt worden sind, entfällt der Anspruch auf die Steuerermäßigung nach § 35c EStG.
  • Die Steuerermäßigung ist vollständig ausgeschlossen, wenn für dieselbe energetische Maßnahme einschließlich der Kosten für den Energieberater bereits eine Steuerbegünstigung nach § 10f EStG (Steuerbegünstigung für zu eigenen Wohnzwecken genutzte Baudenkmale und Gebäude in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen) oder eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG (sog. Handwerkerleistungen) in Anspruch genommen wird.
  • Die Steuerermäßigung nach § 35c EStG ist auch vollständig ausgeschlossen, wenn Sie für eine öffentlich geförderte Maßnahme zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse erhalten haben. Wird für das Objekt gleichzeitig Baukindergeld gezahlt, schließt dies die Gewährung der Steuerermäßigung nach § 35c EStG aber nicht aus.
     

8. Informationen zu den Vordrucken der Einkommensteuererklärung 2020

Bei den Vordrucken zur Einkommensteuererklärung für das Kalenderjahr 2020 haben sich einige Änderungen ergeben. Die wesentlichen Änderungen und neuen Vordrucke stellen wir Ihnen in einem separaten Beitrag vor, den Sie nachfolgend als PDF-Datei downloaden können.
 

Haben Sie noch Fragen?

Allgemeine Auskünfte erhalten Sie auch bei der Servicehotline der Hessischen Steuerverwaltung, unter der kostenfreien Rufnummer 0800 522 533 5 (erreichbar montags bis freitags, jeweils in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr) beziehungsweise bei Ihrem zuständigem Finanzamt. Viele Informationen rund um das Thema Steuern finden Sie auch hier auf finanzamt.hessen.de – der Serviceseite der Hessischen Steuerverwaltung.