Bezug von Kurzarbeitergeld

Steuerliche Hinweise für Bürgerinnen und Bürger, die Kurzarbeitergeld beziehen.

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Collage Steuererklärung und Antrag auf Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld ist eine Lohnersatzleistung, die unter bestimmten Voraussetzungen von der Bundesagentur für Arbeit gewährt und vom Arbeitgeber ausgezahlt wird. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie haben in der Vergangenheit viele Bürgerinnen und Bürger Kurzarbeitergeld bezogen bzw. erhalten es aktuell. Wenn Sie dazu zählen, gibt es aus steuerlicher Sicht Folgendes zu beachten:

Wie auch andere Lohnersatzleistungen ist das Kurzarbeitergeld grundsätzlich steuerfrei (§ 3 Nr. 2 Buchstabe a Einkommensteuergesetz (EStG)), unterliegt jedoch nach § 32b EStG dem Progressionsvorbehalt. Gleiches gilt für die vom Arbeitgeber möglichen Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld (§ 3 Nr. 28a EStG).

Was bedeutet das?

Auf das Kurzarbeitergeld selbst fallen keine Steuern an. Dennoch wird diese steuerfreie Leistung in die Berechnung Ihres persönlichen Steuersatzes einbezogen, der dann bei Ihren übrigen steuerpflichtigen Einkünften zur Anwendung kommt (sogenannter Progressionsvorbehalt). Durch den Progressionsvorbehalt erfolgt die Besteuerung Ihrer steuerpflichtigen Einkünfte demnach mit einem höheren Steuersatz, wodurch es – trotz ggf. vorhandenem Lohnsteuerabzug – zu einer Steuernachzahlung kommen kann.

Um eine höhere Steuernachzahlung im darauffolgenden Jahr zu vermeiden, besteht die Möglichkeit Vorauszahlungen zu leisten, die im Rahmen der späteren Veranlagung zur Einkommensteuer – nebst Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer – auf die endgültig festgesetzten Steuern angerechnet werden. Dies ist auch noch nachträglich für das Kalenderjahr 2020 möglich. Für die Festsetzung von Vorauszahlungen kontaktieren Sie das für Sie zuständige Finanzamt.

Beispiel für eine Einkommensteuerberechnung mit Bezug von Kurzarbeitergeld:

Die Person ist ledig, hat keine Kinder und somit die Steuerklasse 1. Der monatliche Bruttoarbeitslohn (BAL) beträgt 2.750 Euro. Im Jahr 2020 erhält die Person für vier Monate Kurzarbeitergeld, davon drei Monate 60% des BAL und ein Monat 70% des BAL. Aus Vereinfachungsgründen und ohne die Berücksichtigung von sonstigen Freibeträgen, Werbungskosten, Sonderausgaben sowie weiteren Besonderheiten ergibt sich im Beispielsfall folgende Berechnung der Einkommensteuer:

Jahres-BAL 22.000 € 8 Monate x 2.750 €
zzgl. Kurzarbeitergeld 6.875 € 3 Monate 60% und 1 Monat 70%
28.875 € maßgeblicher Betrag zur Berechnung des persönlichen Steuersatzes
16,78 % persönlicher Steuersatz berechnet nach § 32a Abs. 1 Nr. 3 EStG
Der persönliche Steuersatz unter Einbeziehung des erhaltenen Kurzarbeitergeldes wird nun auf das steuerpflichtige Einkommen des Jahres 2020 angewandt.
Einkommensteuer 2020 3.692 € 22.000 € x 16,78 %
Zum Vergleich: Ohne den Bezug von Kurzarbeitergeld wäre der für die Berechnung des persönlichen Steuersatzes maßgebliche Betrag 22.000 €.
13,09 % persönlicher Steuersatz berechnet nach § 32a Ab. 1 Nr. 3 EStG
Einkommensteuer 2020 2.880 € 22.000 € x 13,09 %

Die bereits vom Arbeitgeber einbehaltene Lohnsteuer beträgt 2.756 Euro. Die Berücksichtigung des Kurzarbeitergeldes im Rahmen der Einkommensteuerfestsetzung führt zu einer Steuernachzahlung von 936 Euro (3.692 Euro ./. 2.756 Euro).

Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung

Bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (Bruttoarbeitslohn) sind Sie verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, wenn andere Einkünfte oder die positive Summe der Einkünfte und Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen – darunter auch Lohnersatzleistungen, wie beispielsweise das Kurzarbeitergeld –, mehr als 410 Euro im Kalenderjahr betragen. Die Veranlagung zur Einkommensteuer erfolgt dann nicht mehr nur auf Antrag, sondern ist verpflichtend durchzuführen.

Wo ist das Kurzarbeitergeld einzutragen?

Da das Kurzarbeitergeld regelmäßig direkt von Ihrem Arbeitgeber ausgezahlt wird, steht es auf Ihrem Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung in der Nr. 15. Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Angaben mit Ihrer Lohnsteuerbescheinigung elektronisch als sogenannte eDaten an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Sofern Sie Ihre Einkommensteuererklärung elektronisch und damit beispielsweise über ELSTER einreichen, kann das Kurzarbeitergeld über die Funktion der „Vorausgefüllten Steuererklärung“ direkt in die Einkommensteuererklärung übernommen werden. Wer weiterhin seine Einkommensteuererklärung für die Jahre ab 2019 in Papierform erledigen möchte und aufgrund gesetzlicher Vorschriften nicht verpflichtet ist, die Steuererklärung elektronisch zu übermitteln, kann grundsätzlich auf die Eintragung von eDaten und damit auch des Kurzarbeitergelds verzichten. Dies befreit Sie jedoch nicht von der Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung. Auf den Artikel „Steuererklärung auf Papier wird einfacher“ wird hingewiesen. Nur wenn im konkreten Einzelfall bekannt ist, dass die den Finanzämtern vorliegenden eDaten nicht vollständig oder nicht richtig sind, sind Angaben zum Kurzarbeitergeld in der Zeile 28 der Anlage N erforderlich.

Welche Fristen gelten zur Abgabe der Steuererklärung?

Die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung richten sich danach, ob Sie steuerlich beraten sind oder nicht. Steuerpflichtige Personen, die nicht steuerlich beraten sind, müssen ihre Steuererklärung bis zum 31.07. des Folgejahres abgeben (für 2020 bis zum 31.07.2021). Werden Sie hingegen steuerlich beraten, verlängert sich die Frist für die Abgabe der Steuererklärung grundsätzlich bis zum 28.02. des Zweitfolgejahres (für 2020 bis zum 28.02.2022).

Wo und wie kann ich meine Steuererklärung abgeben?

Ihre Einkommensteuererklärung ist grundsätzlich beim Wohnsitzfinanzamt abzugeben.

Wir empfehlen Ihnen, die Steuererklärung elektronisch über "Mein ELSTER" (https://www.elster.de/eportal/start) an Ihr zuständiges Finanzamt zu übermitteln.

Haben Sie noch Fragen zu diesem Thema?

Allgemeine Auskünfte erhalten Sie auch bei der Servicehotline der Hessischen Steuerverwaltung, unter der kostenfreien Rufnummer 0800 522 533 5 (erreichbar montags bis freitags, jeweils in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr) beziehungsweise bei Ihrem zuständigem Finanzamt. Viele weitere Informationen rund um das Thema Steuern finden Sie auch hier auf dieser Website.